Das Wochenende vom Nove Colli begann mit der offiziellen Präsentation des bereits länger in Vorbereitung befindlichen „Gran Fondo Team Tirol“, dessen Generalprobe ja bereits im letzten Jahr an der Haute Route über die Bühne ging. Seitdem planen wir an dem Team und in meiner Rolle als „Playing Captain“ war ich auch in diesen Entstehungsprozess mit eingebunden. Die Mission hinter dem Team? Zu den größten Gran Fondos Europas werden Botschafter entsandt, die als Team an den Gran Fondos teilnehmen und für die Austragung der Radweltmeisterschaften 2018 in Innsbruck/Tirol aufmerksam machen. Gestartet wird mit den offiziellen Trikots der Rad-WM, ein eigens Auto bringt die Fahrer zu den Rennen, ein Fotograf und Videofilmer begleitet uns, wie auch ein eigenes Team der Tirol Werbung, die auf ausgewählten Events mit einem Infostand für zusätzliche Präsenz sorgen.

Meine Aufgabe ist es, die Fahrer auf die Rennen vorzubereiten und als sportlicher Leiter vor Ort alle offiziellen Anlässe zu koordinieren. Somit stand am Wochenende mein erster Einsatz auf dem Programm und mit den Initiatoren Thomas Pupp und Armin Purner hatte ich diesmal sehr gute Rückendeckung an meiner Seite. Am Freitag fanden wir uns also zum Fotoshooting und Trikotübergabe am Landhausplatz in Innsbruck ein, drehten mit dem Fotografen eine kleine Runde auf der Strecke der Rad-WM und hatten eine Menge Spaß mit den 15 Auserwählten, die das Team heuer bei den vielen geplanten Events vertreten werden.

Samstag früh trafen wir uns dann im kleineren Kreis, um die Anreise nach Cesenatico anzutreten. In flotten 5 Stunden waren wir vor Ort und es ging sich noch eine kurze Radrunde aus vor unseren Terminen an der Startnummernausgabe, am Stand der Tirolwerbung und dann beim offiziellen Empfang der Tourismusverantwortlichen der Region Cesenatico und der Emiglia Romagna. Eine exklusive Führung im Pantani Museum war das Highlight für uns – geführt von Pantani Senior persönlich war es ein beeindruckendes Erlebnis der persönlichen Schilderung über den in Italien so verehrten Marco Pantani zu vernehmen. Bis zu diesem Besuch war Pantani für mich nur ein Fahrer von vielen – in seinem Fall mit negativem Beigeschmack in Sachen Doping und einem tragischen Ende seiner Laufbahn und seines Lebens. Doch das Museum und die Verehrung in seiner Region machen deutlich, dass er viel mehr war, als einer von vielen Radsportlern seiner Epoche.

Geprägt von den Eindrücken vom Museum ging es dann in den malerischen Hafen von Censenatico, wo wir zu einem sehr traditionellen Aperitif eingeladen waren. Garniert von kulinarischen Leckereien aus Fluss und Meer ging es bei bester Unterhaltung mit dem radsportbegeisterten Bürgermeister von Ceseneatico, der selbst mit dem Rad zum Termin angeradelt kam und der Tourismus-Abordnung durch den Abend. Umrahmt von Trikotübergabe, Filmaufnahmen und Gesprächen war es ein kurzweiliger Abend, der noch mit Rennvorbereitung und Montieren der Startnummern zu Ende ging.

Früh morgens klingelte dann der Wecker, denn schon vor 6:00 Uhr erfolgte der Start zum Rennen der über 12.000 Starter. Es war ein fantastischer Anblick – aus allen Gassen des Ortes strömten die Teilnehmer zum Start – es war eine unendliche Menschenmasse, die sich bei der Überfahrt über die große Brücke auf der Startgeraden unter uns in Stellung gebracht hatte. Fast 30 Minuten hinter der Spitze rollten wir dann über die Startlinie – mit Startnummer 11.xxx war erst einmal aufholen angesagt. Schnell hatten wir uns aus den Augen verloren und jeder fuhr in seinem Tempo. Wie üblich in Italien ging es sehr diszipliniert und sportlich zur Sache, ich fand immer gute Hinterräder und konnte viele Aufnahmen mit der Go-Pro für unseren Kurzfilm machen.

Am zweiten der neun Hügel schloss ich dann zu Roland auf, der durch seine 2. Teilnahme schon eine Nummer 6.xxx ergattert hatte. Mit ihm ging es weiter flott dahin über den 3. Anstieg und dann den schwersten 4. Anstieg den „Barbotte“ an dem man schon aus Kilometern Entfernung die Lautsprecher und Anfeuerungen am Gipfel hören konnte. Zunehmens steigerte sich die Spannung und oben gab es dann kein Halten mehr. in 5er Reihen standen die Zuschauer Spalier auf der 18% Rampe und aus den Lautsprechern tönte laute Disco-Musik wie beim Giro di Italia. Unmittelbar darauf teilte sich dann die Strecke in Mittel- und Langstrecke und ab da wurde es etwas ruhiger und übersichtlicher im Feld. Erst am 5. Anstieg also nach gut 100km schlossen wir auf Walter Weineisen auf, den ich als 2 fachen Sieger seiner Altersklasse bis ins Ziel eskortierte.

Trotz seiner 68 Jahre und einem kurzen Einbruch am 5. und 6. Anstieg holte ich mit Walter weiter Fahrer um Fahrer auf und mit etwas Übersicht schafften wir am letzten und schweren Anstieg den Sprung in eine starke Gruppe für die letzten 20 flachen Kilometer ins Ziel. Der starke Gegenwind war in der Gruppe kein Problem für Walter und ich machte noch viel Tempoarbeit. Nach gut 7 Stunden erreichte ich das Ziel mit Walter und wir hatten uns bis in Startnummern von 500 bis 1000 nach vorne gefahren. Walter war super happy mit seiner Leistung und dazu hatte er auch allen Grund, schließlich ging sich auch heuer wieder das Podium in seiner Altersklasse aus! Bravo!!

Kaum im Ziel standen natürlich wieder einige Termine am Programm: Meet & Greet am Tirol Stand – Race Interview von der Kamera, Fotoshooting, essen und zurück ins Hotel zur Abreise. Viel Zeit vor Ort blieb nicht, doch wir werden sicher bald wieder diese tolle Gegend besuchen, nachdem wir von den Verantwortlichen schon sehr herzlich eingeladen wurden, im nächsten Jahr ein Trainingslager in der Region Cesenatico zu machen und wieder den Nove Colli zu bestreiten.

Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen und die nächsten Events, die wir gemeinsam für das Gran Fondo Radteam Tirol bestreiten werden. Bald geht auch die Homepage des Teams online und damit auch das Video vom Nove Colli.

Bis bald, euer Stefan